30.10.2019

Reif für die Champions League: Adlershof kann Beitrag zu den „Grand Challenges“ leisten

Adlershof hat sein ursprünglich gesetztes Ziel erreicht. Der Standort liefert gute Zahlen. 2018 lag die Wachstumsrate der Unternehmen bei zwölf Prozent und war damit doppelt so hoch wie die der chinesischen Volkswirtschaft. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung bezeichnet Adlershof als ein „regionales Innovationssystem‚ wie aus dem Lehrbuch“. Was will man mehr?

Die Politik hat uns vor 28 Jahren beauftragt, Berlins Wirtschaftskraft zu stärken. Dank des Engagements von Unternehmen, Wissenschaft und Betreibern ist das überzeugend gelungen. Adlershof hat seine Aufgabe als regionaler Wachstumsmotor erfüllt.

Adlershof wird weiterwachsen. Heute zählt der Standort über 20.000 Beschäftigte, mehr als 6.500 Studenten und über 3.700 „Einwohner“. In den nächsten Jahren werden neue Arbeitsplätze, neue Wohnungen entstehen. Aber unser Flächenwachstum und unsere Infrastruktur sind begrenzt. Was nun?

Vertreter von Wissenschaft, Unternehmen und Standortmanagement haben sich darüber intensiv Gedanken gemacht. Ein Institutsleiter brachte es sinngemäß auf den Punkt: Wollen wir um die Berliner Meisterschaft spielen oder in der Champions League antreten? Sehen wir uns also im Wettbewerb mit anderen Berliner Akteuren oder wollen wir gemeinsam mit diesen eine weltweite Spitzenposition anstreben?

Die Politik setzt diesbezüglich klare Zeichen und möchte Berlin zur Forschungshauptstadt Europas machen. Ein wichtiger Schritt dorthin ist der Exzellenzstatus der drei großen Berliner Universitäten. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, „Berlin gemeinsam als einen integrierten Forschungsraum zu gestalten, der sich in besonderer Weise der Bearbeitung globaler Herausforderungen – Grand Challenges – verschreibt.“

Auch hat die Senatswirtschaftsverwaltung elf Zukunftsorte definiert, an denen in Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft innovative Produkte und Leistungen entstehen. Die Zukunftsorte sind ein wesentlicher Taktgeber der Berliner Wirtschaft. Ich verstehe das als eine Aufforderung an Adlershof als Idealtyp eines Zukunftsortes zum gemeinsamen Handeln. Wir in Adlershof zählen bereits heute 90 Weltmarktführer und 150 Technologieführer. Nun kommt es darauf an, dass wir mit Forschungsergebnissen, mit Entwicklungen, mit Produkten und Leistungen ebenfalls einen Beitrag zu den „Grand Challenges“ leisten. Dies ist nicht nur eine wirtschaftliche Chance, sondern auch eine gesellschaftliche Verantwortung. So wie ich, halten viele Adlershof für einen der drei bedeutendsten Technologieparks in Europa. Wenn nicht Adlershof solche Aufgaben meistern kann, wer soll es dann tun?

Wer sich große Aufgaben stellt, braucht kluge Köpfe. Wir müssen daher besondere Anstrengungen unternehmen, Talente für uns zu gewinnen und den Bestand an erfahrenen Mitarbeitern zu sichern. Ich bin davon überzeugt, dass ein Bild von Adlershof als Antwortgeber auf globale Fragestellungen viele dieser klugen Köpfe anziehen wird.

Die Voraussetzungen dafür sind gut. Beispielsweise entdeckte ein Team der Universität Greifswald und des Helmholtz-Zentrums Berlin (HZB) in Adlershof ein Bakterium, das in der Lage ist, zusammen mit einem zweiten Enzym den Kunststoff PET in seine Grundbausteine zu zerlegen. Das Adlershofer Start-up Graforce hat ein neues, ressourcenschonendes Verfahren zur Erzeugung von Wasserstoff entwickelt, der mit Biogas zu einem schadstoffarmen Treibstoff vermischt wird.

Unsere Flächen sind begrenzt, die Grenzen für qualitatives Wachstum sind es nicht. Wie lautet der Slogan der Zukunftsorte? „Die Zukunft wird gut, weil wir sie machen!“

Illustration: D. Mahnkopf / Copyright: WISTA Management GmbH