Porträt Lena Stiewe. Foto: Yasmin Lieske

Lena Stiewe

23.04.2026

Lena Stiewe ist Senior Community Managerin bei der Berlin.Industrial.Group. (B.I.G.). Sie arbeitet dort, wo industrielle Exzellenz und menschliche Orientierung gleichzeitig notwendig sind – und oft neu aufeinander abgestimmt werden müssen. Am B.I.G.-Campus gestaltet sie Austausch, Zusammenarbeit und verantwortungsvolles Wachstum und sorgt dafür, dass sehr unterschiedliche Akteur:innen miteinander ins Arbeiten kommen. Ihr Schwerpunkt liegt darauf, Komplexität übersetzbar zu machen, Orientierung zu geben und Verbindungen zu schaffen – insbesondere in Phasen, in denen Organisationen vom Prototyp zur professionellen industriellen Wirklichkeit heranwachsen.

Die Industrial.Group. (B.I.G.) ist ein Verbund hochspezialisierter Technologie‑ und Industrieunternehmen mit Sitz in Berlin. Unter dem Leitspruch „Unique, United“ vereint die B.I.G. Unternehmen mit unterschiedlichen Kompetenzen – von Laser‑ und Messtechnik über 3D‑Metall­druck bis hin zu Umwelt‑ und Medizintechnik. Gemeinsam entwickeln sie zukunftsweisende Hard‑ und High‑Tech‑Lösungen für globale Industriemärkte und teilen Entwicklungs‑, Produktions‑ und Netzwerkflächen auf dem B.I.G.-Campus.

 

Die Berlin.Industrial.Group. (B.I.G.) betreibt in Marzahn einen eigenen Campus. Können Sie erläutern, was den B.I.G.-Campus auszeichnet und welche Rolle er für die ansässigen Unternehmen spielt?

Am B.I.G.-Campus bekommen Startups und Unternehmen nicht nur Raum, sondern Zugang: zu Netzwerken, zu industrieller Erfahrung und zu Menschen, die wissen, wie nachhaltiges Wachstum wirklich funktioniert. Es geht hier nicht um die frühe Ideenphase, sondern um den nächsten entscheidenden Schritt.

Wir verstehen uns bewusst nicht als frühen Startup‑Accelerator mit beispielsweise Pitchtrainings: Der Campus ist das, was danach kommt. Genau dort, wo viele Hardtech‑Unternehmen anfangen zu kämpfen: bei der Professionalisierung, beim Aufbau stabiler Strukturen und beim Übergang vom Prototyp zur Serienfertigung.

Die B.I.G. vereint Unternehmen mit echter industrieller Tiefe und Weltmarktführerschaft. Dieses Wissen wird nicht gehütet, sondern geteilt – offen und entlang realer Fragestellungen. Der Campus ist damit ein Ort für echte Wachstumssprünge und für Unternehmen, die lernen wollen, wie industrielle Exzellenz entsteht und wie man den Weg bis in die Weltspitze verantwortungsvoll geht.

Mit dem Bau von zwei weiteren Gebäuden auf dem B.I.G.-Campus stehen Startups noch mehr moderne Flächen und Zugang zu einer engagierten Hardtech-Community zur Verfügung. Wie werden diese Startups in das B.I.G.-Ökosystem integriert und welche Vorteile ergeben sich daraus für junge Unternehmen?

Integration beginnt für mich nicht nur bei Strukturen, sondern vor allem bei Orientierung. Startups sollen verstehen, wo sie hier sind, welche Logik dieser Ort hat und wie sie sinnvoll andocken können.

Meine Rolle liegt genau in dieser Übergangszone. Ich verbinde Startups mit etablierten Unternehmen, mit Expert:innen und mit dem Campus‑Umfeld – nicht zufällig, sondern gezielt. Mir geht es darum, Verbindungen zu schaffen, die wirklich tragen.

So entsteht ein Umfeld, in dem junge Unternehmen Zugang zu industrieller Realität bekommen und gleichzeitig die Klarheit, die sie brauchen, um sich zu professionalisieren und zu wachsen.

Die Entwicklung einer aktiven Community ist ein zentraler Erfolgsfaktor für Innovationsökosysteme. Wie gestalten Sie diesen Prozess bei B.I.G. und welche Formate oder Ansätze haben sich dabei als besonders wirkungsvoll erwiesen?

Eine aktive Community entsteht für mich nicht durch ein einzelnes Format, sondern durch wiederkehrende Dialogräume, in denen Orientierung, Austausch und Verantwortung möglich werden. Entscheidend ist dabei weniger die Größe eines Formats als seine Haltung: Zuhören, Einordnen und ernst gemeinte Beteiligung.

Am B.I.G.-Campus arbeiten wir deshalb bewusst mit unterschiedlichen Austauschformaten, je nach Anlass und Fragestellung. Townhalls spielen dabei eine wichtige Rolle, wenn es um Transparenz, gemeinsame strategische Einordnung und offenen Dialog über Entwicklungen am Campus geht. Sie schaffen einen gemeinsamen Rahmen und machen sichtbar, was die Gruppe bewegt.

Ergänzt werden diese großen Formate durch niedrigschwellige Austauschformate wie offene Gesprächsräume oder Helpdesk‑Formate zum Beispiel zum agilen Arbeiten, in denen konkrete Fragen, Unsicherheiten oder Spannungen adressiert werden können. Gerade in selbst organisierten Strukturen sind solche Räume wichtig, um Lernen und Klärung jenseits formaler Meetings zu ermöglichen.

Darüber hinaus setzen wir auf partizipative Formate wie moderierte Talkrunden, World‑Cafés oder Open‑Campus‑Tage im Rahmen von Strategiewochen. Diese Formate laden dazu ein, Perspektiven zu teilen, Zusammenhänge gemeinsam zu reflektieren und Strategie mit Alltag zu verbinden. Sie funktionieren nicht zufällig, sondern werden kuratiert entlang der Themen, die gerade wirklich relevant sind.

Community‑Arbeit bedeutet für mich dabei immer auch Übersetzungsarbeit: zwischen Startup‑Logik und industrieller Realität, zwischen Strategie und operativem Alltag, zwischen unterschiedlichen Rollen und Erfahrungswelten. Wenn es gelingt, diese Übergänge gut zu gestalten, entsteht Vertrauen – und genau daraus wächst eine tragfähige Community, die mehr ist als ein Netzwerk: nämlich ein gemeinsamer Arbeits‑ und Entwicklungsraum.

Welche Themen stehen für Sie aktuell besonders im Fokus?

Mich beschäftigt vor allem, wie wir die Industrie von morgen heute schon leben – nicht als Schlagwort, sondern im Arbeitsalltag. Gerade in Phasen von Veränderung zeigt sich, wie wichtig Einordnung, Orientierung und ein klarer Rahmen sind, damit Menschen handlungsfähig bleiben.

Ich arbeite häufig dort, wo Organisationen ins Nachdenken kommen müssen: wenn Teams neu zueinanderfinden, wenn Zusammenarbeit geklärt werden muss oder wenn ein externer Blick hilft, festgefahrene Muster zu lösen. Mich interessiert dabei weniger die schnelle Lösung als tragfähige Verständigung.

Ein weiterer Schwerpunkt sind hochspezialisierte Hardtech‑Nischen. Hier entstehen Technologien mit großer Wirkung, oft leise und komplex. Meine Rolle sehe ich darin, diese Komplexität übersetzbar zu machen und Räume zu schaffen, in denen Verantwortung übernommen und Zukunft gestaltet werden kann. Pragmatisch sorge ich dafür, dass sich Menschen verabreden: Schlussendlich hilft es einfach immer, wenn die handelnden Menschen einfach mal in Person miteinander reden. 😉

Welchen konkreten Mehrwert bieten die Berliner Zukunftsorte wie CleanTech Marzahn für ein industriell geprägtes Netzwerk wie die Berlin.Industrial.Group.?

Zukunftsorte wie CleanTech Marzahn schaffen einen stabilen Rahmen, in dem industrielle Entwicklung langfristig möglich ist. Sie verbinden Produktion, Technologie und Nachhaltigkeit mit klaren infrastrukturellen und politischen Bedingungen.

Für die B.I.G. ist das mehr als ein Standortvorteil. Es ist ein Bezugsrahmen, der zeigt, dass Industrie ein zentraler Teil der Zukunft Berlins ist – und bewusst gestaltet wird. Der Campus wird dadurch anschlussfähig für Kooperation, Austausch und Weiterentwicklung über die eigene Organisation hinaus.

Wie sehen Sie die Weiterentwicklung der B.I.G.-Community und des B.I.G.-Campus in den nächsten Jahren? Welche Visionen und Ziele treiben Sie persönlich in diesem Zusammenhang an?

Ich wünsche mir einen Campus, der weiterhin wächst, ohne seine Orientierung zu verlieren. Einen Ort, an dem industrielle Exzellenz und menschliche Klarheit kein Widerspruch sind.

Mich treibt dabei vor allem die Frage an, wie Verantwortung in Organisationen lebendig bleibt, gerade in komplexen, leistungsorientierten Umfeldern. Wärme verstehe ich nicht als Weichheit, sondern als professionelle Haltung: Menschen ernst nehmen, Erwartungen und Bedarfe benennen und Zusammenhänge einordnen.

Ich arbeite bewusst an der Schnittstelle von Hochleistungsindustrie und menschlicher Orientierung – dort, wo es anspruchsvoll wird, aber entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Organisationen ist.

 

Weitere Informationen:

Lena Stiewe – LinkedIN

Berlin.Industrial.Group. – Unique, United.

Foto: Yasmin Lieske