Gründer von Spark E-Fuels: Dr. Arno Zimmermann, Dr. Julia Bauer und Dr. Mathias Bösl

Das Gründerteam von Spark e-Fuels: Dr. Arno Zimmermann, Dr. Mathias Bösl und Dr. Julia Bauer

25.03.2026

Das Berliner Climate-Tech-Startup Spark e-Fuels wurde 2021 von Dr. Arno Zimmermann, Dr. Mathias Bösl und Dr. Julia Bauer gegründet und entwickelt eine patentierte, lastflexible Technologie zur kosteneffizienten Produktion von Sustainable Aviation Fuel (SAF). Ziel ist es, erneuerbare Energien wirtschaftlich nutzbar zu machen und nachhaltigen Flugkraftstoff skalierbar bereitzustellen. Das Unternehmen hat 2025 eine Pre-Seed-Finanzierung über 2,3 Mio. Euro abgeschlossen und wurde u.a. im Rahmen der UpLink Sustainable Aviation Challenge des Weltwirtschaftsforums ausgezeichnet.

 

Wie ist Spark e-Fuels entstanden? Was war der konkrete Auslöser für die Gründung und wie haben Sie drei als Gründerteam zueinandergefunden?

Die Idee zu Spark e‑Fuels entstand ursprünglich im Rahmen der Promotion von Arno Zimmermann an der TU Berlin. Dort arbeitete er an einem chemischen Verfahren, das erneuerbare Energien ohne große Zwischenspeicher wie Batterien direkt nutzbar machen sollte. Aus dem Austausch mit Mathias Bösl, der als Berater für grüne Technologien tätig war, entwickelte sich daraufhin das erste Konzept für das heutige Unternehmen.

Zu dieser Zeit war Julia Bauer, ausgebildete Chemieingenieurin und ebenfalls TU‑Berlin‑Absolventin, als Projektingenieurin in der Industrie tätig. Obwohl der Job durch große, spannende Projekte geprägt war, blieb für eigene technologische Ansätze wenig Raum, da langfristige Konzernstrategien oft vorgaben, woran geforscht wurde. Als die beiden Gründer auf sie zukamen, überzeugte sie vor allem der Gedanke, eine neue Technologie vollständig selbst entwickeln zu können – ohne Einschränkungen durch bestehende Strukturen oder Altanlagen, von der ersten Idee bis zur Anwendung.

Die ersten Laborversuche, die das Team anschließend zurück an der TU Berlin durchführte, verliefen so erfolgreich, dass SPRIN‑D, die Bundesagentur für Sprunginnovationen, als Unterstützer gewonnen werden konnte. Es folgten eine Validierungsstudie, weitere Forschungsprojekte sowie Anfang 2025 eine erfolgreiche Finanzierungsrunde mit Climate‑Venture‑Capital und Berliner Investoren.

Was sind e-Fuels und worin unterscheidet sich Ihre patentierte, lastflexible Technologie von bisherigen Ansätzen und fossilen Kraftstoffen?

E‑Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die aus erneuerbarem Strom, Wasserstoff und CO₂ erzeugt werden. Sie können heutige fossile Kraftstoffe in Bereichen ersetzen, in denen Elektrifizierung oder direkte Wasserstoffnutzung kaum praktikabel sind – allen voran in der Luftfahrt. Gerade dort sind flüssige, energiedichte Kraftstoffe unverzichtbar, und e‑Fuels ermöglichen eine klimaneutrale Nutzung der bestehenden globalen Infrastruktur vom Triebwerk bis zum Tanklogistiksystem.

Der Ansatz von Spark e‑Fuels unterscheidet sich wesentlich von bisherigen Technologien: Durch eine neu gedachte Reaktionsführung wird der gesamte Prozess deutlich vereinfacht. Unsere Synthese ist lastflexibel, das heißt, sie kann direkt mit schwankender Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie betrieben werden. Während klassische Verfahren auf große Batterien oder Wasserstoffspeicher angewiesen sind, um Lastschwankungen auszugleichen, benötigen wir solche Zwischenspeicher kaum. Dadurch reduziert sich nicht nur die Komplexität der Anlagen, sondern auch die Produktionskosten. Genau das ist entscheidend, um e‑Fuels in großem Maßstab verfügbar und bezahlbar zu machen.

Was sind die größten Herausforderungen auf dem Weg zur Marktreife?

Technologisch benötigen neuartige chemische Prozesse lange Entwicklungszeiten. Vom ersten Laboraufbau an der TU Berlin über die Pilotanlage in Adlershof ist der nächste Schritt die vorindustrielle Demonstration. Bis zur großtechnischen Umsetzung vergehen schnell viele Jahre. Jede Stufe bringt neue Skalierungsfragen mit sich: Wärmeführung, Materialverhalten, Sicherheit, Anlagenintegration. Der Schritt von einem vielversprechenden Reaktor im Labormaßstab zu einem stabil laufenden Industrieprozess ist einer der anspruchsvollsten Teile des gesamten Wegs. Für e‑Fuels gilt das besonders, da hohe Verfügbarkeit, Prozessstabilität und Effizienz entscheidend für die späteren Kosten sind.

Wirtschaftlich sind die frühen Entwicklungsphasen kapitalintensiv. Im Gegensatz zu klassischen Software‑Startups müssen Deep‑Tech‑Unternehmen über Jahre in Hardware, Testanlagen und qualifizierte Forschungsteams investieren, bevor erste Umsätze entstehen. Agile Förderinstrumente und risikofreudige Frühphaseninvestoren sind essentiell für die erfolgreiche und zügige Umsetzung der Entwicklungsprojekte.

Politisch braucht es Planungssicherheit und klare regulatorische Rahmenbedingungen. Für e‑Fuels sind langfristige Produktions- und Investitionsentscheidungen nur möglich, wenn Verfügbarkeit, Anrechnung und Quote nachhaltiger Kraftstoffe verlässlich geregelt sind – insbesondere in der Luftfahrt, die zwingend auf skalierbare, nachhaltige Moleküle angewiesen ist. Unsicherheiten bei Förderinstrumenten, Quoten oder Zertifizierungssystemen können Projekte erheblich verzögern.

Warum haben Sie sich für Berlin als Standort entschieden und welche Rolle spielt das Berliner Innovationsökosystem für Ihr Startup? 

Berlin als Standort für die Technologieentwicklung haben wir vor allem durch unser großartiges Netzwerk in die Berliner Forschungsszene gewählt.

Seit Anfang an arbeiten wir eng mit der TU Berlin zusammen, etwa bei Laboraufbauten im „Inkulab“ der Chemical Invention Factory und spezifischen Fragestellungen im Bereich Reaktionsführung und Prozessengineering. Auch die Pilotanlage wurde in Berlin Adlershof bei ILS – Integrated Lab Solutions, einem erfahrenen Spezialisten für maßgeschneiderte Forschungs- und Entwicklungsanlagen, gefertigt. Kurze Wege sparen Zeit und erleichtern schnelle Abstimmungen – wichtig für komplexe und iterative Entwicklungsprojekte.

 Welchen konkreten Mehrwert bieten die Berliner Zukunftsorte für ein Climate-Tech-Startup wie Ihres?

Die Berliner Universitätslandschaft bietet vor allem Zugang zu einer breiten wissenschaftlichen Expertise. Für ein Climate‑Tech‑Startup wie unseres ist es entscheidend, dass Technologien und Ideen aus der Forschung schnell in die Anwendung übergehen können. Genau dafür entstehen dort derzeit Strukturen und Räumlichkeiten, die die Ansiedlung und Weiterentwicklung von Startups, auch im chemisch‑technischen Bereich, deutlich erleichtern werden.

Ein weiterer wichtiger Vorteil ist das Talentumfeld: Berlin zieht internationale Fachkräfte an, und viele unserer Teammitglieder kamen direkt aus dem Berliner Forschungsumfeld. Diese Nähe zu Hochschulen und Instituten macht den Aufbau eines kompetenten, divers aufgestellten Teams wesentlich einfacher.

Wo sehen Sie Spark e-Fuels in zehn Jahren und darüber hinaus?

In 10 Jahren verkaufen wir international hocheffiziente Produktionsanlagen, die die Luftfahrtindustrie mit erneuerbaren Kraftstoffen und perspektivisch auch die Chemieindustrie mit nachhaltigen Rohstoffen versorgen. Obwohl die Produktionsanlagen in verschiedenen Ländern mit hohem Potential für erneuerbare Energien stehen werden, bleibt Berlin weiterhin ein attraktiver Standort für das wachsende Unternehmen, z.B. für F&E, Engineering, Produkt- und Projektentwicklung.

 

Weitere Informationen:

Spark e-Fuels | Reimagining how aviation is fueled

 

Foto: v.l.n.r. Dr. Arno Zimmermann, Dr. Julia Bauer und Dr. Mathias Bösl / ©Spark E-Fuels