Wie die Berlin.Industrial.Group. Unternehmensstrukturen innoviert | CleanTech Marzahn

21.08.2024

Am Zukunftsort Cleantech Marzahn versammeln sich unter dem Dach der Berlin.Industrial.Group. (B.I.G.) hochspezialisierte Technologie-Unternehmen und Start-ups. Sie alle setzen mit passgenauen Hightech-Lösungen Standards in ihren Märkten, etwa in der Medizin- und Energietechnik, dem Werkzeug- und Maschinenbau oder der Automobilindustrie. Der B.I.G.-Campus versteht sich dabei als Innovationshub. Hier arbeiten nicht nur die eigenen Unternehmen, sondern auch kreative Start-ups, die den Spirit am Ort und die Infrastruktur schätzen. Sie finden am Standort Büroräume, Unternehmensdienstleistungen, einen Makerspace für zügiges Prototyping, Fertigungsflächen und viel Platz für den Austausch.

Ein großer grauer Maschinenkasten trägt oben den Schriftzug „GEFERTEC“. Rechts davor steht ein Mann im roten T‑Shirt und bedient an der Maschinenwand einen Bildschirm und eine Tastatur. Links ist die Maschine geöffnet. Zwei Männer in dunklen T‑Shirts und Jeans arbeiten im offenen Innenraum: Einer greift an einen runden Metalltisch, der andere hält ein Gerät, das an dicken schwarzen Kabeln hängt. Alle drei sehen konzentriert aus und führen handwerkliche oder technische Tätigkeiten aus.Foto: Berlin.Industrial.Group.

Kollegiale Führung und Selbstorganisation statt konventioneller Hierarchien

Doch nicht nur Produkte und Campus lohnen einen genauen Blick nach Marzahn. Auch mit der Art, wie dort gearbeitet wird, hebt sich die B.I.G. deutlich von vergleichbaren mittelständischen Maschinenbau-Unternehmen ab. Die Gruppe ist überzeugt, dass wirklich neue Lösungen nur dann entstehen, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und ihre Ideen umsetzen können. Dafür schaffen die B.I.G.-Unternehmen zunehmend Hierarchien ab. Kollegiale Führung und Selbstorganisation sind die Prinzipien, nach denen die rund 360 Mitarbeitenden ihren Arbeitstag gestalten.

Was bedeutet das konkret? Die Unternehmen der Gruppe haben nur noch wenige und einzelne sogar gar keine Führungskräfte mehr. Führungsaufgaben werden geteilt, jedes Teammitglied wird zu eigenen Beiträgen ermutigt, jeder und jede trägt Verantwortung und hat gleichzeitig aber auch großen Gestaltungsspielraum. Es gehört zum kollektiven Verständnis, unterschiedliche Positionen und Herangehensweisen unabhängig von Hierarchien einzubeziehen.

Zwei Männer stehen an einer Werkbank in einer Fabrikhalle. Sie tragen schwarze T‑Shirts mit dem Schriftzug „scansonic“. Der Mann links hält ein kleines Metallgehäuse, aus dem rote und blaue Kabel herausführen. Der Mann rechts hält einen roten Griff in der Hand und zeigt den Daumen nach oben. Im Hintergrund sieht man Regale mit vielen blauen Plastikboxen. Beide lächeln freundlich in die Kamera.Foto: Berlin.Industrial.Group.

Herausforderungen und Chancen der neuen Arbeitsstruktur

Bei nicht vorhandenen oder sehr flachen Hierarchien fehlt aber auch eine zentrale ordnende Instanz. Ordnung oder Struktur als Ankerpunkt und „emotionales Zuhause“ kann bei geteilter Führung erst aus der Organisation heraus entstehen. Das ist auch eine analytische und methodische Herausforderung: Wer muss wann mit wem reden? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie wird mit Konflikten umgegangen? Wenn mehr Menschen mitreden, entsteht tatsächlich auch mehr Reibung. Zu Beginn stand daher durchaus die Frage, ob die Mitarbeitenden ohne Führung im herkömmlichen Sinne auch ein bisschen verloren und unsicher sein würden. Tatsächlich ist die psychologische Sicherheit der Mitarbeitenden jedoch sehr hoch. Von der Energy Factory – einem Spin-off der Universität St. Gallen – wird dies mit einer Umfrage alle sechs Monate überprüft.

Fünf Personen stehen nebeneinander in einem hellen Reinraum. Alle tragen schützende Kleidung: drei blaue Overall‑Anzüge mit Mützen, zwei weiße Overalls mit Haarnetzen. Im Hintergrund sind technische Schaltschränke und Geräte zu sehen. Vier der Personen lächeln freundlich in die Kamera, eine Person in der Mitte hält die Hände locker hinter dem Rücken.Foto: Berlin.Industrial.Group.

Innovationsgeist zahlt sich aus

Neue Führungsmodelle in Unternehmensstrukturen zu etablieren, bedeutet harte Arbeit. Von den Geschäftsführer*innen verlangt es den Mut loszulassen, auch wichtige Entscheidungen von den Teams fällen zu lassen und auf die Kraft kollegialen Wissens zu vertrauen. Es braucht Zugehörigkeit, Wertschätzung und die Möglichkeit, auch persönlich wachsen zu können. Es braucht eine Umgebung von Vertrauen, aber auch Spaß an der Arbeit und nicht zuletzt die echte Chance und ernstgemeinte Möglichkeiten zur Mitgestaltung. Die Menschen bei der B.I.G. sind überzeugt, dass es sich lohnt – und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Gestaltung der Arbeitswelt der Zukunft.

Fünf Menschen stehen um ein großes, fahrbares Whiteboard mit vielen bunten Klebezetteln und aufgeteilt in Spalten „Aufgabenvorrat“, „in Arbeit“ und „erledigt“. Ein Mann in der Mitte zeigt auf eine Karte, drei Männer und eine Frau hören ihm zu. Rechts steht ein hoher Holztisch mit Gläsern, links sieht man eine Couch und einen kleinen Beistelltisch. Über der Gruppe ist eine sichtbare Betondecke mit Lüftungsrohren.Foto: Berlin.Industrial.Group.

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung der Berlin.Industrial.Group.

Mehr zur B.I.G.: Berlin.Industrial.Group. – Unique, United.

Ein Mann steht in einem hellen Labor vor einem gelben Roboterarm, der über einem Arbeitstisch mit verschiedenen Mess- und Kamerageräten schwebt. Er trägt weiße Schutzbrillen und hält eine Steuerung in der Hand. Über seinem Kopf hängen bunte Kabel, rechts neben ihm steht ein graues Kästchen mit der Aufschrift „YLS-6000-U“ und dahinter sind Computerbildschirme auf einem Tisch zu sehen.